Tourtagebuch Tag 14 – Über Osmaniye nach Iskenderun

Nach einer guten Übernachtung im Hotel Mercan, einem urtypisch sympathischen türkischen Hotel in Siverek, brachen wir nach einem gemütlichen Frühstück auf. Heutiges Etappenziel ist Osmaniye in der Nähe von Iskenderun.

Wie mittlerweile üblich steuern wir als erstes eine Tankstelle an, nicht nur um aufzutanken sondern um uns auch mit den Nötigsten einzudecken.
Und da der Schock: Die Fernbedienung für Shorty versagt ihren Dienst. Das ist insofern problematisch, weil sich die Wegfahrsperre nur mit der Fernbedienung entriegen lässt. Kurzerhand wechselt Reto die Batterien seiner Fernbedienung. Aber weder seine Fernbedienung ist damit wieder zum Leben zu erwecken, noch führt diejenige des Zweitschlüssels zum Erfolg. Steven prüft mit dem Messgerät Shorty’s Sicherungen, ohne jedoch einen Fehler zu entdecken. Nach einigem Rumprobieren überlisten wir die Wegfahrsperre. Es scheint ein Problem mit unbekannter Ursache zu sein. Wir sind jedoch nicht unglücklich darüber, dass wir die vielen Workarounds, die wir kurzerhand gegoogled haben, nicht selbst ausprobieren müssen.

Um 10:30 Uhr begegnet uns zum ersten Mal seit Tagen wieder ein anderes Rallye-Team. Während den Wartezeiten an den Ampeln verständigen wir uns von Fenster zu Fenster und tauschen erste Infos aus bevor’s dann auch schon wieder weiter geht.

Nachdem wir gut zwei Stunden unterwegs waren, kommt es wie es kommen muss und wir tun, was wir immer tun: 20 Kilometer vor Gaziantep gibt es eine Mittagpause im Restaurant Sahra. Während wir draussen im Schatten der Terasse die lokalen Köstlichkeiten geniessen, werden unsere Autos von der ach so kostbaren Rallye-Patina befreit. Bevor wir eingreifen können, sind die Autos schon von oben bis unten eingeschäumt und werden so richtig durchgeschrubbt. Dabei hatten wir uns doch so Mühe gegeben eine solide Dreckkruste aufzubauen …

Wie es mittlerweile zur Tradition geworden ist, macht Gianpaolo macht sein übliches Foto von Mittagessen, welches sogleich seinen Weg auf Facebook findet. Währenddessen freundet sich Reto mit dem Chef an und erklärt ihm, was wir während der Rallye so machen. Aufgrund der Sprachbariere läuft das alles über ein Telefonat mit der Schwester des Restaurant-Chefs; sie wohnt in Stuttgart und fungiert als Dolmetscherin. Zum Schluss verabschieden wir uns herzlich und machen uns wieder auf den Weg,

Im klassischen Le-Mans-Stil kurvt Reto mit “Shorty” als Führungsfahrzeug in Richtung Osmaniye. Da die D400 über längere Strecken nur einspurig ist, nicht vierspurig ist, gibt es ein paar „nette“ Überholmanöver.
Wir stellen fest, dass wir uns mittlerweile am kürzesten Punkt zur syrischen Grenze befinden. Nur 20 Kilometer trennen uns vom Kriegsgebiet, was ein etwas mulmiges Gefühl hinterlässt. Zum Glück steht Syrien nicht auf unserer Reiseroute.

Währenddessen stellt man im Team-Fahrzeug “Indy” fest, dass die Tankanzeige verrückt spielt. Mal zeigt der Tank voll, mal leer an, mal springt die Anzeige unmotiviert zwischen verschiedenen Unglaubwürdigen Stati hin und her. Wir entscheiden uns dies erstmals zu ignorieren.
Wir stellen übrigens fest, dass das Thermometer zum erstenmal 34.5* Celsius anzeigt. Bisheriger Hitzerekord ;-)

Vor Osmaniye kam überraschend eine „Orient Rallye”-Verzweigung. Diese führte uns über kurvige Naturstrasse durch Berg und Tal. Unterwegs begenen wir immer wieder Kindern, die am Strassenrand stehen und uns zuwinken. Wir nutzen die Gelegenheit und verteilen immer wieder mal Plüschtiere und Playmobil. Die Kinder strahlen vor Freude.
Irgendwann fällt uns auf, dass wir wohl längere Zeit (geschätzte 20 Kilometer) falsch gefahren sind, nämlich als die Strasse nicht mehr weitergeht. Also zurück auf Start. Schliesslich kommen wir doch noch zu einem Wasserfall, der idyllisch in einer Schlucht gelegen und zu Fuss zu erreichen ist. Jens prägt hier den Begriff “Türkische Niagara-Fälle”.

Da wir offenbar das letzte Team sind, dass um diese Zeit noch unterwegs ist, sind mittlerweile alle Wegweiser entfernt als wir uns auf den Weg nach Osmaniye machen. Zum Glück war noch ein Ambulanzwagen hinter uns. Dieser war nämlich bei den Wasserfällen stationiert und fuhr zeitgleich mit uns los. Als dem Fahrer klar wird, dass wir keinen Plan haben, macht er uns durch Gesten klar, dass wir ihm folgen sollen. Und so macht sich der Raiders-Konvoi mit dem Abulanzwagen an der Spitze auf dem Weg zum Fahrerlager. Das ganze geht natürlich nicht ohne Blaulicht und Sirene, das ist doch mal ein lustiges Erlebnis :-)

In Osmaniye hatten die örtlichen Behörden ein grosses Programm inklusive Feuerwerk geplant. In Gedenken an die verstorbenen Bergbauarbeiter beim Grubenunglück in Soma wurde alles abgesagt. Nachdem wir gegessen hatten (Ja, auch das muss zwischendurch sein), haben wir noch Team 46 etwas Hilfe angedeihen lassen. Als Gegenleistung für die Unterstützung von Frederick während unseres Werkstattaufenthalts in Tokat haben wir die Fotos für Ihr Roadbook ausgedruckt.

Angesichts der spärlichen Informationen und dem Umstand, dass wir nächstentags zeitig in Isekenderun für die Verschiffung der Autos sein müssen, entschieden wir uns nicht in Osmaniye übernachten, sondern noch nach Iskenderun fahren. Mit einem glücklichen Händchen sicherte uns Steven noch die letzten freien Hotelzimmer.

Dem Vernehmen nach soll es einige Raiders gegeben haben, die in ihren Zimmer nur Doppelbetten vorgefunden haben und diese noch mitten in der Nacht gegen Zimmer mit Einzelbetten getauscht haben. Pauschaltouristen ;-)

Während der Nacht arbeiten Steven und Gianpaolo noch an den medialen Inhalten und Blogberichten und dem Roadbook mit unseren Fotobeweisen. Die Arbeiten werden von einem Stromausfall morgens um Zwei apprupt unterbrochen … Gute Nacht!

Gefahrene Tageskilometer: 493
Gschrottete Autos: 0
Verlorene Tankdeckel: 0
Andere seltsame Probleme: Tankanzeige
Heutiger Hitzerekord: 34.5° Celsius

One thought on “Tourtagebuch Tag 14 – Über Osmaniye nach Iskenderun

  1. Peter Lammers

    Hey Reto, it is GREAT being able to follow your team and to see the joyful moments.
    Good memories of the good old days when we drove a peugeot 404 to Athens.

    Wishing you all an amazing continuation!!!!

    Kind Regards
    Peter

    Reply

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