Tourtagebuch Tag 11 – Von Tokat nach Avanos

Tag 11: Der dritte Tag in Tokat bricht an und wir schlafen aus. Es ist Neun vorbei als der Wecker klingelt und wir uns aus den Laken quälen. Als erstes gibt’s Frühstück und dann legen wir uns einen Plan für den heutigen Tag zurecht.


Die eine Hälfte des Teams bestehend aus Steven, Reto und Fran begeben sich direkt in die Garage. Dort wollen Sie beim Zusammenbauen von „Henry“ zur Hand gehen, natürlich nicht ohne selbst etwas leckeres für die Crew mitzubringen. Sie staunen nicht schlecht als Sie in der der Garage eintreffen und der Audi schon beinahe vollständig zusammengebaut ist. Der erste Funktionstest ist aber ernüchternd: Der Motor startet zwar, der Kommentar des türkischen Mechanikers aber nicht sehr wohlwollend: Game Over.

Von all dem bekommen Jens, Emanuel und Gianpaolo aber nichts mit. Sie sind in Tokat unterwegs um die verbliebenen Aufgaben aus dem Roadbook der Chinesenrallye zu erfüllen. Wenn wir schon Ordu und Van verpassen aber wenigstens die örtlichen Aufgaben wollen noch erfüllt sein. Und so ziehen Sie durch Tokat auf der Suche nach den passenden Motiven: Eine Mosche, ein historisches Gebäude und das Museum.

Weiterhin durchforsten sie die Läden der Stadt auf der Suche nach Gaskartouschen für die Camping-Kocher. Leider erweist sich das gewünschte Format als ziemlicher Exot so das letztliche keine Wahl bleibt als einen neuen Gaskocher mitsamt einer ausreichenden Menge an Butan-Kartuschen zu erwerben. Eher lächerlich mutet der Preis an: 90 TL (nein, nicht Teelöffel sondern Türkische Lira!) für einen Brenner und 6 Kartuschen. Dasselbe Geld hätte in der Schweiz nichtmal für den Brenner gereicht!

Just als der Kauf getätigt ist kommt die Nachricht per SMS: Wir sollen doch umgehend zur Garage kommt, das Auto wäre demnächst fertig.

Diesem Aufruf kommen wir natürlich voller Freude nach, verheisst er doch, dass es vielleicht schon bald wieder losgehen könnte.

Als wir eintreffen laufen gerade die Vorbereitungen für eine Testfahrt. Doch oh weh, als der „Henry“ von seiner Tour um den Block zurückkommt, dringt verdächtig schwarzer Rauch unter der Haube hervor. Der Keilriehme hat zu wenig Spannung, dadurch ist er geschmolzen. Doch wir haben Glück im Unglück: Minuten später haben wir bereits einen Ersatz, der dann auch prompt eingebaut wird,

Und dann stimmt schliesslich alles: „Henry“ schnurrt wieder wie ein Kätzchen und fährt sich tadellos, kein Rauch, kein Lärm, alles Perfekt.

Es ist 14:00 Uhr als wir in der Werkstatt gemeinsam mit Apo, dem Inhabter der Garage, und seinen Jungs zu Mittag essen. Er hat extra Pide organisiert, dazu gibt es – wie in der Türkei üblich – Cey (Schwarztee).
Nach dem Essen kommt es zu einer herzlichen Verabschiedung. Wir überreichen Geschenke, die dankbar und mit viel Freude angenommen werden. Wir haben neue Freunde gewonnen und sind ein weiteres Mal schwer beeindruckt von der Improvisationsfähigkeit und Hilfsbereitschaft der Türken. Es sollte im übrigen nicht das letzte Mal sein, wie sich schon bald herausstellen sollte.

Bevor wir uns wieder auf den Weg machen und Tokat veranlassen, tanken wir bei einer Tankstelle am Stadtrand. Danach fahren wir los in Richtung Avanos, unserem Tagesziel in Kappadokien. Wir sind etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs als über Funk folgendes zu uns durchdringt:

„Henry an Indy: Bei euch tropft was raus, und es riecht irgendwie nach Benzin.“

Oh  Gott, Nein! Nicht das! Nicht noch eine Panne, jetzt wo endlich alle Autos wieder fahrtüchtig sind! Wir legen einen Notfallstop an der nächstbesten Tankstelle ein um uns das Malheur anzusehen. Es riecht tatsächlich nach Benzin. Der Sprit tritt aus dem Tank aus und zwar beim Einfüllstutzen. Alles klar: Der Tankdeckel fehlt, der ist wohl an der letzten Tankstelle zurückgeblieben. Zu unserer Verteidigung bleibt zu sagen: In der Türkei sind die Tankstellen alle bedient, sprich wir haben nie selber aufgetankt, darum fiel uns das auch gar nicht auf.

Wie dem auch sei, wir haben dem Herrn an der Tankstelle unser Problem geschildert, vielleicht hätte er ja nen Tankdeckel rumliegen gehabt. Er hat das zwar verneint aber angeboten bei der anderen Tankstelle anzurufen. Wir haben Glück, der Tankdeckel befindet sich noch an Ort und Stelle und man lässt uns ausrichten, dass sie den Deckel dem nächsten Auto mit auf den Weg geben. Während wir warten, werden wir mit Cey bewirtet. Es dauert eine gute Dreiviertelstunde, doch dann trifft der Tankdeckel bei uns ein. Welch Freude, die hier zum Ausdruck kommt!
Zum wiederholten Mal sind wir beeindruckt von der türkischen Hilfsbereitschaft.

Nun kann’s endlich weitergehen. Wir fahren mehrere Stunden bis in die Dunkelheit hinein. Um neun Uhr abends treffen wir schliesslich in Avanos ein.
Nachdem die erste Pension uns dann doch zu sehr heruntergewirtschaftet wahr (Stichwort: Pauschaltourismus), wählen wir ein Hotel etwas näher im Stadtzentrum.
Dieses hat seine besten Tage zwar auch schon hinter sich, scheint aber immerhin keine Bettwanzen zu haben 😉
Im zum Hotel gehörenden Restaurant kriegen wir mal wieder ein äusserst leckeres Abendessen. Den Abend lassen wir Shisha-rauchend ausklingen während wir unsere Fotos sortieren und die Beiträge für den Blog schreiben.

Gefahrene Tageskilometer: 335
Geschrottete Autos: 0
Verlorene Tankdeckel: 1

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